SZ: Heimdebüt endet im Debakel !

13.09.16, Saarbrücker Zeitung
Handball-Oberligist HSV Merzig-Hilbringen geht gegen Mülheim mit 13:23 unter

Von Roland Schmidt
Die Oberliga-Handballer des HSV Merzig-Hilbringen erlebten am Samstag im Thielspark ein echtes Debakel. 13:23 endete die Heimpremiere gegen Mülheim, bei der die Wölfe das Tor nicht trafen.

Mit hängenden Köpfen schlichen die Wölfe vom Feld. Eine unterirdische Trefferquote hat am Samstag in der Thielspark-Halle Merzig zur wohl verkorkstesten Heimpremiere des HSV Merzig-Hilbringen in der Handball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar geführt. Mit 13:23 (7:8) verloren die im Angriff erschreckend zahmen Wölfe das Duell gegen den TV Mülheim und schockten ihr Publikum geradezu. „Die Zuschauer werden sich fragen, was wir im Training gemacht haben. Wir haben gut gearbeitet, im Spiel aber viel zu wenig umgesetzt. Jede E-Jugend wirft da mehr Tore“, kommentierte Marcus Simowski die Pleite mit deutlichen Worten und wirkte ratlos.
Zahme Wölfe, wenig Zaungäste
Ganz überrascht vom erfolglosen Anrennen aufs gegnerische Tor war der HSV-Trainer allerdings nicht. Nach dem Wechsel des litauischen Ex-Nationalspielers Tomas Kraucevicius zur VTZ Saarpfalz und den Verletzungsausfällen von Lars Pfiffer (Schulterprobleme) und Julius Rost (Kahnbein) hat sein Rückraum deutlich an Durchschlagskraft verloren. Das war Simowski klar, und für die nur 150 Zaungäste im ersten Heimspiel erkennbar. Die sieben Rückraum-Treffer erzielten nur zwei Mann: Norbert Petö (5) und David Pfiffer (2) – nach zig Fehlversuchen. Kein einziges Tor fiel vom Kreis. Anspiele dorthin sah man auch nur selten. „Die Jungs liefen vor der Abwehr herum, ohne Druck auszuüben. Wenn man so viele Chancen für 13 Tore braucht, ist das bitter“, stöhnte Simowski.
Dabei startete sein Team gar nicht mal so schlecht. Petö markierte in der zwölften Minute die 3:1-Führung. Danach warfen der Ungar und seine Kollegen den Ball aber kaum noch in die Gäste-Maschen, dafür auffallend oft TV-Torwart Tobias Zelter an. Halbzeit: 7:8. Nach der Pause vergrößerte sich der Rückstand schnell: 7:10 (35.), 7:13 (39.), 13:19 (53.). Das war’s. Bis zum Abpfiff herrschte im HSV-Sturm Tor-Flaute.
Auch Rouven Louis, der bei seinem HSV-Debüt in Nieder-Olm (22:25) im linken Rückraum noch sechs Treffer erzielt hatte, blieb bei seiner Heimpremiere blass. „Uns klebte Pech an den Fingern. Wir haben in gefühlten 80 Angriffen kaum Tore erzielt. So kannst du in der Oberliga kein Spiel gewinnen. In der Abwehr standen wir aber gut“, stellte der hünenhafte Neuzugang vom Saarlandligisten HC Dillingen-Diefflen fest. Sein Trainer stimmte ihm zu. „Wir können eine gute Deckung spielen, das wissen wir. Aber in letzter Zeit gingen wenige Handballspiele 0:0 aus. Chancen waren da, aber wir müssen unbedingt vorne öfter treffen“, warnte er. Bitter: Merzig belegt nun in der Tabelle der Oberliga mit 0:4 Punkten und 35:48 Toren den letzten Platz. Ein klassischer Fehlstart. Es kann also nur besser werden, doch an dem grundsätzlichen Problem ändert sich vorerst nichts. „Wir werden uns in der ganzen Runde extrem anstrengen und konsequenter als heute an unsere Regeln halten müssen, um im Angriff Tore zu erzielen“, betonte Marcus Simowski und fügte mit bedrückter Stimme hinzu: „Und wir müssen das mit den Spielern tun, die wir haben.“

12.09.16
HSV Merzig/Hilbringen vs. TV 05 Mühlheim 13:23 (7:8)

Einen mehr als enttäuschenden Heimauftakt präsentierten die Wölfe ihren ca. 250 Anhängern.
Sang- und klanglos (2. Hälfte) unterlag man dem TV Mülheim, bei denen mit Helf und Vogt zwei wichtige Spieler fehlten. War man nach der Niederlage in Nieder-Olm noch der Meinung, das der frühe Spielbeginn und das harzfreie Spielgerät mit Gründe für die Niederlage waren, so zeigte sich am Samstag Abend deutlich, das wohl in der schwierigen Saisonvorbereitung der Hauptgrund für den verpatzten Start zu suchen ist. Hinzu kommen noch länger andauernde Verletzungsprobleme (Lars Pfiffer und Julius Rost), der Verlust des besten Spielers Tomas Kraucevicius, der bislang nicht ersetzt werden konnte sowie die nach Verletzungen/Operationen sich noch in der Aufbauphase befindlichen Spieler Jung, Klein und Kincses.

Nicht anders ist der schwache Auftritt der Wölfe-Mannschaft zu erklären. Kaum ein Spieler zeigte am gestrigen Abend Normalform, obwohl die ersten 30 Spielminuten noch hoffnungsvoll verliefen. Die Abwehr arbeitete sehr ordentlich und nur die vielen 100%-igen ausgelassen Torchanchen verhinderten eine höhere Führung (3:1, 4:2). Aber je länger die erste Spielhälfte dauerte, desto mehr verlor unser HSV den Bezug zum Gegner. Aus unerklärlichen Gründen wurden die Löcher größer und damit auch Absprachen vernachlässigt. Ab dem 4:4 übernahmen die Gäste aus Mülheim das Geschehen und gingen auch gleich darauf mit 4:5 in Führung, die sie auch bis zum Ende nicht mehr abgaben. Mehr noch, die Leistungen von Leistungsträgern wie Norbert Petö, David Pfiffer, Sebastian Klein, Marius Merziger und in der Abwehr von Maurice Duchene ließen – je länger das Spiel dauerte – immer weiter nach, obwohl es beim 7:8 zur Halbzeit noch keinen großen Grund zur Sorge gab. Im Angriff gab es noch Luft nach oben, aber die Deckung konnte dies in der ersten Halbzeit  noch teilweise ausgleichen – an ein bevorstehendes Debakel hatte niemand gedacht.

Mülheim kam viel besser in die zweite Halbzeit und setzte sich von 7:8 auf 7:13 ab. Von der jetzt entstandenen Verunsicherung bzw. Leistungen ließen sich dann auch die restlichen Spieler um Lukas Fischer, Rouven Louis und Marcel Rudolph anstecken. Das Schlimme daran, man traf nicht einmal auf einen übermächtigen Gegner. Der TV Mülheim war selbst gerade einmal mit 11 Spieler angereist, die dann auch auf dem Spielberichtsbogen Platz fanden.

Aber wie schon in der Vorwoche in Nieder-Olm wo ein Timo Stumpps ausreichte, um den Wölfen den Zahn zu ziehen, so war es diesmal Max Zerwas auf Seiten der Mülheimer, der das Spiel lenkte und die Wölfe vor anscheinend unlösbare Aufgaben stellte. Hinzu kamen mit Florian Exenberger sowie dem überragenden Torwart Tobias Zelter zwei weitere Leistungsträger an diesem Abend. Dem hatten die Wölfe an diesem Abend nichts, nein gar nichts entgegen zu setzen.

Wölfe Trainer Simowski versuchte es mittlerweile mit einer Sonderbewachung von Zerwas, später auch von Zerwas und Exenberger. Nichts half, auch nicht das Spiel ohne Torwart (7 Feldspieler). Zu oft wurden falsche Entscheidungen getroffen, oder Schlussmann Zelter stand im Wege. Mit langen Angriffen spielten die Mülheimer die Uhr weiter geduldig runter und warteten auf die Fehler der Wölfe. Beim 12:18 betrug der Vorsprung weiterhin 6 Tore und auf Grund der Tatsache, das unsere Wölfe den Zweikämpfen immer mehr aus dem Weg ging, die Abwehr immer mehr an Stabilität verlor und der Angriff immer hilfloser wirkte, betrug der Vorsprung beim 13:22 erstmals sogar 9 Tore. 13:23 hieß es dann nach 60 Spielminuten und die meisten der anwesenden Zuschauer sprachen von einer zweiten Hälfte, die leider indiskutabel war.

HSV Trainer Simowski ist sich sicher, das sein Team immer eine gute Deckung spielen kann, aber um auch vorne bestehen zu können, brauchen wir Tore aus erster und zweiter Welle, kein kollektives Versagen und das Einhalten von Regeln und Vorgaben. „Wenn wir dies nicht schaffen, steht eine schwierige Zeit bevor“, so der Merziger Trainer.

Für Merzig spielten:Klein (1.-42.), Kessler (42.-60.); Fischer, Louis, Kincses 3, Rudolph, Petö 5, Duchene, Schwindling 1, Klein 1, Merziger, Jung, Pfiffer 3/1, Moske;